Stellungnahme

HIER WOHNTE
KARL AUGUST EBEL
JG. 1895
VERHAFTET 27.6.1938
AKTION ‘ARBEITSSCHEU REICH‘
DACHAU
1939 MAUTHAUSEN
ERMORDET 24.9.1939

  1. Die Angaben auf dem am 8.7.2020 in Ludwigsburg verlegten Stolperstein für Karl August Ebel entsprechen den derzeit recherchierbaren Fakten zu Leben und Tod des Betroffenen. Sie halten jeder Nachprüfung stand.
  2. Jeder der über 75.000 vom Kölner Künstler Gunter Demnig seit 1992 verlegten Stolpersteine ist Teil eines europaweiten Kunstwerks im Dienste der Erinnerung an die NS-Opfer. Jeder einzelne Stein findet in diesem Mosaik seinen Platz, wenn die vom Künstler vorgegebenen Normen eingehalten werden. Format des Steins, Schrift, Kategorien, Benennungen und andere Details sind weitgehend standardisiert.
  3. Alle 82 Steine in Ludwigsburg sind vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz der Opfer verlegt. Das ist eine klare Regelung, um Doppelungen zu vermeiden. Der Zugang zur Biografie des Opfers ist topografisch verankert, die Erinnerung dockt an einen lokalen/lokalhistorischen Fakt an, setzt perspektivisch an: Karl Ebel wohnte zur Zeit seiner Verhaftung vorübergehend im Christlichen Hospiz in der Gartenstr. 17, in der „Herberge zur Heimat“, die Wohnsitzlosen Unterkunft bot.
  4. Der Anstoß, in Ludwigsburg einen Stolperstein für Karl August Ebel zu verlegen, kam von Frau G.. Sie bat die Ludwigsburger Stolperstein-Initiative um Hilfe bei Recherchen zu ihrem Vorfahren (Karl August Ebel hatte drei Geschwister, keine Kinder), nannte Daten und Fakten. Daraufhin startete die Initiative eigene Recherchen zu Karl Ebel und der Opfergruppe, der er zuzurechnen war, und teilte die Ergebnisse regelmäßig Frau G. mit.
    Für die Ludwigsburger Initiative ist aber, neben dem Gedenken an die NS-Opfer, deren Biografie rekonstruiert wird, immer auch der stadtgeschichtliche und öffentlichkeitswirksame Bezug wichtig. Dieser doppelte Kontext führt in der Darstellung zwangsläufig zu Typisierungen und Begrifflichkeiten, die familienintern wohl befremdlich klingen. Der Stolperstein informiert „im Vorbeigehen“, spricht jede und jeden an: kurz und knapp.
  5. Der Stein nennt mit der Inschrift Aktion „Arbeitsscheu Reich“ den Grund der Verhaftung und Internierung. Die Bezeichnung Aktion “Arbeitsscheu Reich“ (ASR) ist in der Forschung etabliert, sie schließt die Aktion „Arbeitszwang Reich“ (AZR) mit ein. Die NS-Bezeichnung Arbeitsscheu Reich ist auf dem Stein in (eingestrichene) Anführungszeichen gesetzt und damit als ein ideologisches Verdikt, letztlich: eine Stigmatisierung mit Todesfolge, kenntlich gemacht. Karl Ebel ist ein Opfer dieser Aktion gewesen, der Eintrag im Eingangsbuch des KZ Dachau bestätigt dies – weitere Belege sind weder erforderlich noch in Form von „Verhaftungslisten“ zu erwarten.
    Die Nennung der Aktion soll u. a. deutlich machen, dass es neben Holocaust und Krankenmorde weitere (bisher wenig beachtete) Opfergruppen gab/gibt. Dabei unterstellen wir, dass NS-Etikettierungen wie „Jude“, „lebensunwertes Leben“ oder „arbeitsscheu“ aus humanistischer Sicht haltlos sind.
  6. Alle KZ sind keine Resozialisierungsanstalten, vielmehr von Anfang an daraufhin angelegt, die dort inhaftierten Menschen psychisch/physisch zu brechen oder ganz zu vernichten. Arbeit, Hunger, Willkür und Gewalt prägten den Alltag der KZ-Häftlingen – wer unter solch brutalen, gewaltsam auferlegten Bedingungen stirbt, stirb keines natürlichen Todes, der wird getötet. Alle Tatbestandsmerkmale für Mord treffen auf die KZ-Toten zu (dass die Täter in der Regel nach 1945 davongekommen sind, sollte das Urteil über die Taten nicht trüben). Das KZ Mauthausen wurde von den Nazis als KZ der Kategorie III geführt, darunter verstanden sie „Vernichtung durch Arbeit“. Karl Ebel wurde nach Mauthausen verlegt, um dort durch Arbeit vernichtet, also ermordet zu werden.
  7. Die Stolperstein-Initiative Ludwigsburg ist bis zur Verlegung der Steine Herr des Verfahrens (danach gehen die Steine in städtisches Eigentum über), sie recherchiert nach bestem Wissen und Gewissen, kooperiert mit Bibliotheken, Archiven, Nachfahren und anderen Informationsquellen, nimmt Rücksicht auf Betroffene. Sie übernimmt grundsätzlich auch die Kosten für die Steine – das wurde auch Frau G. mitgeteilt. Die Nachfahren der Opfer sollen nicht auch noch für das Gedenken bezahlen. Steine kann man/frau weder spenden noch kaufen (die Arbeit der Initiative mit Spenden unterstützen dagegen schon). So bleibt und wird Objektivität, die Richtigkeit der Fakten und Daten, gewahrt und gesichert.
  8. Karl Ebel wurde zusammen mit Josef Michelbacher, für den in der Gartenstr. 17 ebenfalls ein Stein verlegt wurde, und zwei weiteren Personen, Georg Bärtlein und Ernst Schäufler, verhaftet. Georg Bärtlein wurde aus Dachau entlassen, über sein weiteres Leben ist bisher noch nichts bekannt. Die Nachforschungen zu Ernst Schäufler sind noch nicht abgeschlossen.
  9. Im Begleitprospekt zur Stein-Verlegung sind im Text, der auf Karl August Ebel Bezug nimmt, Fehler unterlaufen. Wörtliche Übernahmen aus einem Text von Frau G. wurden nicht als Zitate gekennzeichnet, die Quelle nicht genannt. Dafür haben wir uns bei ihr entschuldigt und unseren Text überarbeitet. Dieser Fauxpas ist vor dem Hintergrund zu sehen und zu verstehen, dass die Stolperstein-Initiative ihre jeweiligen Recherche-Ergebnisse zu Karl Ebel regelmäßig – und wohl auch erkenntnis- und rechercheleitend – an Frau G. weitergegeben hat.