Tatort Geschichte – Die Zentrale Stelle und ihre Zukunft
Mit Lesung von Wolfgang Schorlau
Die Zentrale Stelle in Ludwigsburg ist der einzige Ort, an dem das Bemühen nachvollziehbar ist, mit rechtsstaatlichen Mitteln NS-Täter*innen nachzuspüren. In den Ermittlungsakten werden Sozialprofile der Täter*innen, die das NS-Regime ermöglichten, sichtbar zugleich Strategien der Vertuschung und des Bagatellisierens.
Ein Konzept des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesarchiv - Außenstelle Ludwigsburg, an dem auch der Förderverein mitgewirkt hat, sieht vor, den Erinnerungs-, Lern- und Begegnungsort zu erhalten. Besucher*innen sollen sich durch niedrigschwellige Angebote in die Rolle der Ermittler*innen versetzen können, die einst einer Mauer des Schweigens gegenüberstanden. So wird Justizgeschichte erlebbar – ein Beitrag zur Bewahrung der Menschenrechte und ein Lehrstück von Demokratiegeschichte und Rechtsstaatlichkeit.
Anlässlich dieser Veranstaltung zur Zukunft der Zentralen Stelle liest der Krimi-Autor Wolfgang Schorlau aus seinem Buch „Das dunkle Schweigen“, das einen Lynchmord an einem abgestürzten US-Piloten am Ende des Zweiten Weltkriegs und das anschließende Schweigen darüber thematisiert.
Eine Veranstaltung des Fördervereins Zentrale Stelle in Kooperation mit der vhs Ludwigsburg und der Stolperstein-Initiative
Kulturzentrum · Wilhelmstraße 9/1, Ludwigsburg · Kleiner Saal (Hochparterre)
Gedenkfeier für die 120 im Nationalsozialismus ermordeten Menschen aus der damaligen Landesfürsorgeanstalt Markgröningen
Dienstag, 27. Januar 2026, 19 Uhr
Am Mahnmal bei der Habila, Asperger Str. 51, 71706 Markgröningen
Zu Beginn findet eine Gedenkminute am Mahnmal statt. Anschließend folgt die Gedenkfeier im Mehrzwecksaal der Habila mit einem Grußwort von Bürgermeister Jens Hübner sowie einem Beitrag der diesjährigen Markgröninger Konfirmandinnen und Konfirmanden zu den Themen Ausgrenzung und unser Menschenbild heute. Zudem erwarten die Gäste „Rattschläge“ des Kabarettisten, Filmemachers und Publizisten Jochen Faber sowie musikalische Beiträge der Band Hippie Television.
Im Jahr 1940 wurden 120 Menschen aus der damaligen Landesfürsorgeanstalt Markgröningen (heute Habila GmbH) nach Grafeneck deportiert und unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Seit 1996 ist der 27. Januar bundesweiter Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, seit 2005 zudem internationaler Holocaust-Gedenktag.
Die 120 Menschen aus Markgröningen wurden Opfer der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus. Alljährlich wird ihrer am 27. Januar bei der Habila gedacht. Die Erinnerung gilt an diesem Tag ebenso den Markgröninger Opfern der sogenannten „dezentralen Euthanasie“ in Zwiefalten und allen weiteren Opfern des NS-Regimes.
Der Arbeitskreis Mahnmal leistet seit den 1990er-Jahren kontinuierliche Erinnerungsarbeit für die 120 Opfer aus Markgröningen und ist Veranstalter der Gedenkfeier.
Nach der Gedenkminute am Mahnmal folgt im Mehrzwecksaal der Habila das Grußwort von Bürgermeister Jens Hübner. Die Ermordung der mehr als 100 Menschen aus der damaligen Landesfürsorgeanstalt ist nicht nur Teil der Geschichte der heutigen Habila, sondern auch Teil der Markgröninger Stadtgeschichte.
Der Arbeitskreis Mahnmal kooperiert für die Gedenkfeier mit der Evangelischen Kirche Markgröningen. Unter der Leitung der Pfarrer*innen Johanna Tückmantel und Frank Dettinger haben sich Jugendliche im Konfirmandenunterricht mit der NS-Ideologie des sogenannten „lebensunwerten Lebens“ sowie mit der Biografie einer aus Markgröningen stammenden, in Grafeneck ermordeten Frau befasst. Im Mittelpunkt standen Fragen nach unserem heutigen Menschenbild, den Lehren aus der Geschichte, den Anfängen von Ausgrenzung und dem, was ein gelingendes Zusammenleben ausmacht. Ihre Ergebnisse präsentieren die Jugendlichen bei der Gedenkfeier und geben damit wichtige Impulse zum Nachdenken.
Jochen Faber arbeitet nach einer Ausbildung als Journalist in einem Büro für Medienkonzeption und -gestaltung. Er machte unter anderem den Dokumentarfilm „Das Geheimnis der Orangenkisten“ über die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg. Er engagiert sich in der Ludwigsburger Stolperstein-Initiative und am Synagogenplatz. Zudem ist er als Theatermacher und Kabarettist aktiv. In einem aktuellen Programm tritt er als Ratte auf – ein von Ausgrenzung geprägtes Wesen. Die Figur stellt durch ihre Szenen die Frage, was den Menschen eigentlich ausmacht – diese zerstörerische und ausgrenzende Art. Die Ratten-Beiträge bringen für eine Gedenk-Veranstaltung eine ungewohnte Unterhaltsamkeit mit – doch sind im Hintergrund stets die eigentlichen und ernsten Themen und letztlich die große Zuversicht, dass eine von Liebe und Solidarität getragene Zivilisation möglich ist.
Niels Noortwijck (Gitarre, Gesang) und Marc Haiber (Bass) bilden die Blues- und Rockband Hippie Television. Ihren Sound ergänzen sie durch programmierte Drums. Für die Gedenkfeier tragen sie anstelle eigener Kompositionen für diesen Anlass einstudierte Gospelsongs vor.
Das Recht auf Menschenwürde und Leben wurde im Nationalsozialismus millionenfach unter anderem Menschen mit Behinderung und Menschen jüdischer Herkunft abgesprochen. Die Täter nahmen den Opfern ihre Namen und ersetzten sie durch Nummern. Das Vergessen wäre Teil der Vernichtung selbst. Der Arbeitskreis Mahnmal setzt sich deshalb dafür ein, den Opfern ihre Namen zurückzugeben und ihre Geschichten sichtbar zu machen.
Nähere Informationen gibt es hier …
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