Lina Peukert

Die Familie gab ihr lange Halt

Mörikestr. 2

Lina Peukert, geb. Bauer, wurde am 1. November 1887 in Neuenhaus im Landkreis Esslingen geboren. Ihre Eltern hatten ein Wirtshaus und 14-jährig begann sie dort zu arbeiten. Schon in der Schule war sie sehr fl eißig und ebenso bei ihrer Arbeit. Sie heiratete am 14. Januar 1913 den Friseur Adolf Peukert. Bereits vor der Hochzeit am 11._Dezember 1912 bekamen sie ihre gemeinsame Tochter Emilie. Lina brachte zudem eine Tochter mit in die Beziehung mit Adolf, die wie ihre Mutter Lina hieß. 1912 ist die Familie zunächst nach Oßweil gezogen und 1917 dann nach Ludwigsburg.

Der Erste Weltkrieg brachte der Familie sehr viel Unglück und Armut. Diese Erfahrungen wurden als Hauptursache für die spätere psychische Erkrankung von Lina angenommen. Ihr Mann kam in russische Kriegsgefangenschaft und verkraftete sein erlebtes Leid nicht. Nach seiner Rückkehr 1919 behandelte er nun seine Familie schlecht und sorgte nicht für sie. Er konnte keiner regelmäßigen Arbeit mehr nachgehen. 1928 wurde die Ehe geschieden. Adolf bekam sein Leben nicht mehr in den Griff und starb 1929 „abgestürzt“.

Lina wohnte in Ludwigsburg in unterschiedlichen Mietshäusern und seit 1923 in der Mörikestraße 2. 1935 erkrankte Lina Peukert. Aufgrund ihrer Angstzustände und Selbstmordgefährdung wurde sie am 25. Februar 1935 in Weinsberg eingewiesen. Vor allem ihre Tochter Emilie kümmerte sich um sie. Die Angehörigen gaben ihr Halt und waren in ihrem Leben off ensichtlich das wichtigste. Es gab über die Jahre regen Besuchs- und Briefkontakt.

Einsamer wurde es für Lina, als ihre Töchter heirateten und Emilie nach New York zog und die ältere Tochter erst nach Frankfurt und dann nach Kiel. 1937 sollte Lina aufgrund ihrer psychischen Erkrankung in die Tschechoslowakei ausgewiesen werden. Die Nazis wollten einen „gesunden Volkskörper“ und sich nicht um andere Staatsangehörige kümmern. Der Landrat widersetzte sich dieser Ausweisung und vor allem auch Emilie setzte sich immer wieder aufopferungsvoll für ihre Mutter ein. Der Terror nach Innen im Nationalsozialismus wirkte sich auch bei den Peukerts aus. So gab es Bestrebungen, Lina Peukert noch 48jährig zwangssterilisieren zu lassen. Zudem hatte ihre Tochter Emilie die Sorge, ob sie aufgrund eines zu erwartenden Erbtauglichkeitsgesetz eventuell nicht heiraten dürfe. 1939 kam Lina Peukert zuerst nach Zwiefalten und dann nach Bad Schussenried. Am 29. Oktober 1940 wurde sie als Opfer des ideologischen Wahnsinns der Nazis in Grafeneck ermordet.

Marc Haiber